Wärme oder Kälte: Was hilft besser gegen Schmerzen?

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Krämpfe, Kopfweh oder Rückenbeschwerden. Manche Schmerzen verschwinden schneller durch Wärme, andere durch Kälte. Eine wohl temperierte Entscheidungshilfe.

Auch Hausmittel können schaden, wenn sie falsch angewendet werden

Sie gehören bei den meisten von uns zur Standardausrüstung und liegen oft gleich in mehrfacher Ausführung im Badezimmer und Kühlschrank: die heißgeliebte Wärmflasche und das allzeit bereite Kühlpack gegen Wehwehchen aller Art. „Doch werden die beiden bei Verletzungen oder Schmerzen falsch eingesetzt, können sie mehr schaden als nützen“, warnt Daniel Harbs, Allgemeinmediziner und ärztlicher Leiter der Hamburger allgemeinmedizinischen Praxis Intensemed.

So entscheidest du richtig

Denn behandeln wir zum Beispiel eine fiese Schwellung nach einer Sportverletzung sofort mit Wärme, steigert das die Durchblutung – und mit ihr die Schmerzen. Ähnlich ist es mit einer falsch angewendeten Kältebehandlung, etwa bei einer muskulären Verspannung: „Kühlende Anwendungen können die Verhärtungen verstärken. Zwar haben wir oft intuitiv das richtige Gefühl, was uns gut tut, doch manchmal ist die Entscheidung auch schwer oder vom Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie bei einigen Gelenkserkrankungen. Als Grundsatz gilt jedoch: Bei frischen Verletzungen oder akuten Schmerzen hilft am besten Kälte, bei älteren oder chronischen Beschwerden eher Wärme“, so Harbs.

  • Rückenschmerzen 

„Am häufigsten führen muskuläre Verspannungen zu Problemen im Rücken“, erklärt Harbs. Auslöser sind überwiegend Bewegungsarmut, aber auch Fehlbelastungen, etwa wenn Tische oder Stühle nicht ergonomisch optimal eingestellt sind sind. „Wir verharren heute zu viele Stunden vor Bildschirmen, das ist purer Stress für unsere Wirbelsäule“, warnt der Sportmediziner. Hilfreich ist dann alles, was wärmt: ein Wannenbad, eine Wärmflasche oder auch ein ABC-Pflaster. „Das lockert die Muskulatur, verbessert die Durchblutung und fördert den Abbau von Abfallprodukten im Gewebe, die den Schmerz sonst verstärken“, so Harbs. Regelmäßige Bewegung und eine starke Bauchmuskulatur sind übrigens die beste Prophylaxe gegen Kreuzweh. Doch auch ein Bandscheibenvorfall kann der Übeltäter sein. „Das können Sie ganz einfach selbst mit dem so genannten Lasègue-Test herausfinden: Legen Sie sich hin, und heben Sie Ihr Bein an. Wenn Sie schon bei 10 bis 20 Grad Schmerzen bekommen, sind wahrscheinlich die Nervenwurzeln gereizt“, weiß der Experte. In diesem Fall bitte direkt zum Hausarzt gehen.

  • Regelschmerzen

Verursacht werden die starken Krämpfe durch eine überschießende Produktion an Prostaglandinen. „Diese Gewebshormone sind verantwortlich für Entzündungen, Schmerzen und Blutgerinnung“, erklärt Gynäkologin Dr. Friederike Herchenröder aus Hamburg. „Ein erhöhter Prostaglandin-Spiegel führt zu verstärkten länger anhaltenden und schmerzhaften Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, auch Dysmenorrhoe genannt.“ Bestes Gegenmittel: eine Wärmflasche auf dem Bauch. Sie erweitert die Gefäße und entkrampft dadurch. Den gleichen Effekt hat auch Ausdauersport, wenn du dich dazu aufraffen kannst. „Es sollten aber auch andere Ursachen wie Endometriose, Polypen und Myome ausgeschlossen werden. Und auch die Kupferspirale kann solche Schmerzen hervorrufen“, sagt Dr. Herchenröder. „Kaffee, Alkohol und Nikotin verschlimmern Regelkrämpfe ebenfalls nachweislich, also besser einschränken oder ganz weglassen“, rät die Gynäkologin.

  • Kopfschmerzen 

Kein Scherz: es gibt über 367 verschiedene Kopfschmerzformen. „Die beiden häufigsten sind der Spannungskopfschmerz mit 54 Prozent, gefolgt von der Migräne mit 38 Prozent“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel. Beide Hauptarten lassen sich unterschiedlich lindern. „Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kopf steckt in einem zu engen Helm und es drückt dumpf, kann ein Kopfschmerz vom Spannungstyp Verursacher sein. Sie treten meist beidseitig auf und können zwischen 30 Minuten und einer Woche andauern. Die Kopfmuskeln weisen eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit auf, sie sind reflektorisch angespannt: Spannungskopfschmerzen treten zum Beispiel auf, wenn man den ganzen Tag am PC gesessen hat und Schultern und Nacken zulange einseitig aktiviert sind. Versuchen Sie es mit Wärme, zum Beispiel mit einem Körnerkissen. Das lockert und steigert die Durchblutung“, weiß Göbel. Pocht es dagegen pulsierend nur auf einer Seite und kommen Begleiterscheinungen wie Lichtempfindlichkeit und Übelkeit hinzu, sprechen die Symptome für eine Migräne. „Dabei entzünden sich die Adern in der Hirnhaut und die Schmerzempfindlichkeit steigt.“ Kalte Umschläge können die Schmerzempfindlichkeit reduzieren und die akute Entzündung lindern. Weitere Tipps gegen Kopfschmerzen findest du hier.

Dieser Artikel ersetzt keinen Arztbesuch

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