„Der Burnout war meine Rettung!“

Allgemein Gesundheit, meine Liebe!

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Burnout erstmals als gesundheitsgefährdenden Faktor eingestuft. Hier erzählt Bloggerin Sandy von Quirlimum.de, wie sich das Ausgebranntsein anfühlt.

Vor zehn Jahren hätte mir nie vorstellen können, nur noch acht Stunden pro Woche zu arbeiten, wie ich es jetzt mache. In einer Arztpraxis hatte ich eine Vollzeitstelle als Medizinische Fachangestellte, ein Job, der mir Spaß machte und mich forderte. Als mein Mann und ich dann unsere beiden Kinder bekamen, reduzierte ich nach der Babypause auf 20 Stunden. Doch das Hin und Her zwischen Familie und der Praxis brachten mich mit den Jahren körperlich und seelisch an meine Grenze.

Ein vergessener Turnbeutel brachte mein Leben zum Einstürzen

Ich litt unter einem Tinnitus mit anhaltenden Piep-Geräuschen und Kopfschmerzen. Vor allem aber wurde ich immer gereizter mit den Kindern. Mein Standardsatz lautete: „Beeilt euch, wir müssen los!“ Letztlich war es ein vergessener Turnbeutel meines Sohnes, der alles veränderte. Statt ihm den Beutel einfach zu holen und mich dann auf den Weg zur Arbeit zu machen, fuhr ich wie ferngesteuert nach Hause und heulte nur noch. Mein Arzt schrieb mich sofort sechs Monate krank und vermittelte mir einen Kontakt zu einer Burnout-Beratungsstelle. Dort lernte ich in einer Therapie, warum es so weit gekommen war. Das Wort „Nein“gab es quasi nicht im meinem Wortschatz – weder privat noch beruflich. Meine eigenen Bedürfnisse stellte ich gern an letzte Stelle, wo sie dann unangetastet einstaubten. Und ständig kämpfte ich gegen die Zeit. Denn mein Mann konnte mich durch seine starren Arbeitszeiten und einem langen Arbeitsweg kaum unterstützen und kam immer erst kurz vor dem Abendessen nach Hause.

Das Leben fühlte sich an wie eine Zentrifuge – und ich war mittendrin

Rückblickend weiß ich auch, dass ich mein Gefühl überfordert zu sein, viel zu lange in mich hineingefressen habe und zu selten konkret um Hilfe bat. Ich hielt diesen Zustand für normal und hatte keine Idee, wie ich das immer schneller drehende Hamsterrad aufhalten konnte. Schon morgens hetzte ich mit den Kindern zur Schule und in die Kita, um pünktlich in der Praxis zu sein. Dort versuchte ich alles in vier Stunden zu schaffen, was ich früher in Vollzeit erledigt hatte. Wenn ich Lennard und Lena mittags wieder abholte, chauffierte ich die beiden zum Kinderturnen, zum Musikunterricht, zu Geburtstagen. Und irgendwann dazwischen stellte ich noch die Waschmaschine an, sauste mit dem Staubsauger durch die Wohnung und kaufte ein. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, alles erledigt zu haben. Die wichtigste Lektion, die ich deshalb während meiner Therapie lernte, war: „Du kannst es nicht allen recht machen.“ Wenn du viel arbeitest, schimpfen die einen: Du vernachlässigst deine Kinder! Wenn du wenig arbeitest, heißt es: Du bist faul! Heute perlen solche Urteile weitestgehend von mir ab, aber das hat mich viel Zeit und Kraft gekostet. Für meine Familie war mein Zusammenbruch ein riesiger Schreck, denn von meiner Seite aus gab es nie eine Vorwarnung. Ich riss mich einfach immer zusammen.

Blütenweiße Gardinen machen auch nicht glücklich

Inzwischen gehe ich viel behutsamer mit mir um und nehme mich zurück, wenn mir alles zu viel wird. Durch meine jetzige Arbeitszeit ist viel vom Druck weg, und ich habe gelernt, dass nicht alles perfekt sein muss mit blütenweißen Gardinen und staubfreien Regalen. Klar verfalle ich auch hin und wieder in die alten Gewohnheiten, das sind dann aber Ausnahmen.

Foto: Pixabay

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